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Sexuelle Mythen – Teil 1

Während der Sexualtrieb angeboren ist, müssen wir unsere Sexualität auszuleben erst erlernen. In den seltensten Fällen erfolgt dies durch gute Lehrmeister. Folge davon ist, dass über Sex oft falsche und unrealistische Vorstellungen im Umlauf sind, die die Sexualität oft negativ beeinflussen. In den folgenden Artikel geht es um diese sexuelle Mythen – und was in Wahrheit davon zu halten ist. Somit kann man(n) auch lernen, dass nicht zu viel Druck auf ihn lastet.

Ein richtiger Mann kann immer

Die meisten Männer setzen Männlichkeit und Potenz gleich. Wenn es dann zu Erektionsproblemen oder erektiler Dysfunktion kommt, ist die Bestürtzung oft groß. Für viele ist ein Mann mit Impotenz einfach kein richtiger Mann mehr, ein Mann ohne Eier. Was wundert es da, dass betroffene Männer sich dann zurückziehen und das Thema Erektionsverlust ein Tabu ist? Nicht mal mit der Partnerin oder dem Arzt des Vertrauens wird darüber geredet.

Aber das ist Quatsch. Ein Mann definiert sich nicht nur über seine Potenz. Als guter Familienvater, Ehemann oder Freund, als erfolgreich im Job, als ein mann der sein Leben meistert – es gibt viele weitere Definitionen die einen Mann ausmachen. Und bedenken Sie, es gibt weitaus mehr Männer die unter Erektionsverlust leiden als Sie glauben – es spricht nur niemand darüber.

Je größer und härter die Männlichkeit, desto besser für die Partnerin

Eigentlich weiß es jeder, und doch lebt dieser Mythos immer wieder auf. Nicht die Größe des Penis ist entscheidend, sondern das was man damit anstellt. Suchen Sie mal im Internet nach Stichwörtern wie "Penisvergrößerung" oder "Penisverlängerung". Sie werden erstaunt sein wie viele tausende Ergebnisse Ihnen gezeigt werden. Egal was Sie darüber lesen oder hören, guter Sex ist nicht von der Größe des Penis abhängig!

Der Sex muss jedes Mal noch besser sein als zuvor

Männer machen sich oft viel zu sehr Stress wenn es um das Thema Sex geht. Die Parternin soll um jeden Preis befriedigt werden und danach glücklich einschlafen können. Wenn sie dann nicht vor Freude juchzt, muss etwas schief gegangen sein und man fühlt sich dann als Versager. Auch Frauen sind Menschen und wissen, dass nicht jeder Gang ein Hauptgang sein kann. Auch Frauen bringen nicht jedes Mal beim Sex ihre "Leistung". Befreien Sie sich vom Stress – und geniessen Sie viel mehr den Sex.

Beim Sex müssen beide gleichzeitig kommen

In den 60-er Jahren war das Buch "Die vollkommene Ehe" ein Beststeller. Darin wird geschrieben, dass der gleichzeitige Orgasmus das höchste Ziel ist. Seitdem hat sich dieser Mythos in den deutschen Betten gehalten. Das dumme ist nur: um gleichzeitig zu kommen ist viel Konzentration nötig – und dies geht zu Lasten der Lust! Selbst wenn man den anderen gleichzeitig streichelt, ist dies ein unnötiger Zwang und die Spontanität geht verloren. Frauen und Männer haben nun mal unterschiedliche Bedürfnisse mit Sex umzugehen, sie sind auch von Partner zu partner ganz unterschiedlich in der Lage einen Orgasmus zu haben bzw. zu steuern wann man "kommt". Also lassen Sie sich davon nicht unter Druck setzen. Guter Sex ist vollkommen unabhängig davon, ob beide Partner gleichzeitig kommen.


Ursachen von Erektionsstörungen

Erektionsstörungen sind für betroffene Männer in den meisten Fällen ein Tabu-Thema und somit besteht oft ein Unwissen über die Erektion und die Probleme die zu Erektionsproblemen führen können. Erst dann können wir begreifen, wie komplex der Vorgang einer Erektion ist und wie viele Angriffspunkte es gibt, die zu Störungen führen können. Schauen wir uns daher zuerst die Erektion an.

Wie schon oben angeführt ist die Entstehung und Aufrechterhaltung der Erektion ein sehr komplexer Vorgang. Viele Einzelvorgänge wirken dabei zusammen und gehen nahtlos ineinander über. Erst so können wir verstehen, was für eine stabile Erektion vonnöten ist und was im Körper vor sich geht.

  1. Sinnliche Reize werden im Gehirn aufgenommen und ausgewertet.
  2. Über das autonome Nervensystem werden Nervenimpulse vom Gehirn an den Penis gesendet.
  3. Neurotransmitter die an den Nervenende freigesetzt werden, lösen eine komplexe biochemische Reaktion aus die die Schwellkörpermuskulatur erschlaffen lassen.
  4. In der erschlafften Schwellkörpermuskulatur entstehen Hohlräume, die nun mit Blut ausgefüllt werden können.
  5. Durch das einströmende Blut vergrößert sich der Penis. Der Schwellkörper ist von einer festen Haut umgeben. Durch die Ausdehnung werden die umgebenden Venen komprimiert und der Blutabfluss stark gedrosselt.
  6. Damit der Penis vollständig versteift, kommt es zu einer Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur und entsteht eine stabile, starke Erektion.

Wir haben den Vorgang der zur Erektion führt in kurzen Stichpunkten zusammengefasst, doch auch so ist zu ersehen, dass der Ablauf an vielen Stellen gestört werden kann. Probleme die zum Erektionsverlust führen, können sowohl körperliche (physische, organische) als auch seelische (psychische) Ursachen haben. Jedoch geht man nach neuesten Untersuchungen davon aus, dass sich die verschiedenen Faktoren die zu Erektionsstörungen führen gegenseitig bedingen und verstärken. In den weitaus meisten Fällen kommt also nicht nur eine Ursache dafür in Frage. Es ist also nicht immer eine klare Unterscheidung möglich, ob nun organische oder psychische Ursachen verantwortlich sind. Ganz im Gegenteil, oft sind körperliche und seelische Ursachen in Betracht zu ziehen.

Gerade in der heutigen Gesellschaft, die Männlichkeit mit Potenz gleichsetzt, ziehen rein organisch bedingte Erektionsprobleme in vielen Fällen auch psychische Probleme nach sich. Es kommt zur Minderung des Selbstwertgefühls, zu Versagensängsten, fehlender Lust auf Sex oder gar Depressionen. Der Kopf spielt dann eine große Rolle und die Erektionsstörungen verstärken sich. Es kommt zu einem Teufelskreislauf, aus dem sich scheinbar kein Ausweg findet. Beim Sex kommt es zu einer intensiven Selbstbeobachtung und wenn Probleme auftreten, kommen Stress und Angst hinzu – und die Erektionsstörungen treten verstärkt auf.

Nur eine genaue Diagnose durch einen Facharzt kann klären welche Ursachen in Betracht kommen und sollte sowohl körperliche als auch seelische Ursachen nicht aus dem Blick verlieren. In einer kleinen Reihe werden wir zukünftig detaillierter auf psychische und physische Ursachen eingehen um betroffenden Männern umfassende Informationen und Anhaltspunkte bieten zu können.