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Behandlung von Impotenz bezahlen

Viele Männer die erstmals mit Erektionsproblemen konfrontiert sind fragen nach den Kosten einer Diagnose und Behandlung. Oft gibt es dazu nur Halbwissen oder Männer bezahlen im Unwissen die Kosten aus der eigenen Tasche. Uns erreichen oft Berichte von Männern, dass sie für Behandlung und Diagnose von Potenzstörungen mehrere Hundert Euro privat bezahlen müssen. Dies ist nicht zulässig, weil es dabei um Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) handelt. 

Der Kauf von Potenzmitteln wie Viagra, Cialis oder Levitra ist nicht mit eingeschlossen und wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Doch wie sind die Regelungen für Diagnostik und andere Behandlungs-Methoden.

Erektionsstörungen heißen medizinisch korrekt erektile Dysfunktion (ED). Es ist medizinisch und juristisch unbestritten, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt, und zwar unabhängig von Ursache und Alter. Damit hat der Versicherte nach dem Sozialgesetzbuch V (SGB V) einen Rechtsanspruch auf Behandlung einschließlich Diagnostik. Dazu gehören z.B. Blutabnahmen zur Bestimmung von Testosteron u.a., der Schwellkörper-Injektionstest SKIT einschließlich Spritze und Medikament, Duplex-/Doppler-Sonographie, Vakuum-Erektionshilfen, psychotherapeutische Behandlung, Testosteron-Ersatz-Therapie, Schwellkörper-Implantate, Operationen. Das hat uns auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung bestätigt.

KostenĂŒbernahme bei erektiler Dysfunktion

Das Bundessozialgericht hat in einem Grundsatzurteil (Aktenzeichen B 8 KN 9/98 KR R) festgestellt, dass bei ED nur durch ein Gesetz die Behandlung und Verordnung von Medikamenten aus dem "Leistungskatalog" der GKV ausgeschlossen werden könnten. Daraufhin wurde bei der Gesundheitsreform 2004 (GMG) lediglich die Verordnung von Medikamenten gegen ED gesetzlich untersagt. Behandlung und Diagnostik der ED sind sowohl nach der Gesundheitsreform 2004 (GMG) als auch nach der Gesundheitsreform 2007 (GKV-WSG) unverändert Leistung der gesetzlichen Krankenkasse.

Zahlreiche rechtliche Bestimmungen regeln, was Leistung der GKV und der Kassenärzte ist. Dazu gehören neben dem SGB V u.a. die Bundesmantelverträge der Ärzte, der einheitliche Bewertungsmaßstab und die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Es gibt keine einzige Rechtsquelle, nach der die Behandlung, die Beratung, die Untersuchung, die Diagnostik etc. bei Potenzstörungen ausgeschlossen oder verboten sind. Kassenärzte dürfen deshalb Patienten gegenüber nicht behaupten, dass die GKV diese Leistungen nicht bezahlt, und sie dürfen dafür keine private Bezahlung verlangen.

Ärzte sind im Rechtsirrtum, wenn sie glauben, Beratung, Behandlung und Diagnostik bei erektiler Dysfunktion sind nur deshalb nicht mehr Leistung der GKV, weil die Verordnung von Medikamenten zur Behandlung von Erektionsproblemen zu Lasten der GKV ausgeschlossen ist.